VÖWG - Verkehr Spezial, 08/2017

Ich freue mich, das aktuelle Verkehr Spezial des Verbandes der öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG) zu präsentieren. Darin finden sich Kurznachrichten mit Relevanz für den Verkehrssektor.

Gemeinsam mit meinem Team wünsche ich eine angenehme Lektüre!

Heidrun Maier-de Kruijff

 Siemens und Bombardier planen Joint Ventures im Bereich Signaltechnik und Züge

Gemäß Insiderinformationen sollen nach zähen Verhandlungen der Bereich Signaltechnik zu 80% Siemens und zu 20% Bombardier gehören. Das Joint Venture im Zuggeschäft soll zu 51% an das kanadische Unternehmen Bombardier gehen. Die Transaktion soll als Aktientausch vollzogen werden, Geldflüsse wird es keine geben.

Eine Zustimmung von Kartellwächtern wäre einzuholen.

Bei dem Zusammenschluss ginge es den beiden Unternehmen und eigentlichen Konkurrenten vor allem um die Wappnung gegenüber der chinesischen Konkurrenz CRRC, die sich in Staatsbesitz befindet und massiv auf den westlichen Markt drängt.

Auswirkungen auf die österreichischen Standorte und Tätigkeiten beider Unternehmen können noch nicht abgeschätzt werden.

Mittlerweile ist zwar der Siemens CEO Joe Kaeser ein Stück weit zurückgerudert, da Joint-Ventures viel Zeit benötigen. Mittelfristig, müsse man aber der chinesischen Konkurrenz begegnen.

 

 

Reporting Season für das Quartalende per 30.6.2017 bei den Herstellern von Transportlösungen.

Aufgrund abweichender Geschäftsjahre werden nur die Zahlen für das zweite Kalenderquartal 2017 betrachtet.

Bombardier:

Der kanadische Flugzeug- und Zughersteller Bombardier hat seine Ergebnisse für das zweite Quartal und erste Halbjahr 2017 präsentiert (IFRS Abschluss). 

In der Sparte Transport (i.e. Züge) wurd ein Umsatzwachstum ggü. dem Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 1,975 Mrd. USD verzeichnet, unterstützt durch die Durchführung von wichtigen Infrastrukturerweiterungen weltweit. Durch zusätzliche Aufträge aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich wurde der Book to Bill Ratio von 1,1 auf 1,4 erhöht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.  

Die laufende Restrukturierung (i.e. Werkschließungen) in Deutschland, der Schweiz und Belgien schlägt sich mit den jeweiligen Sozialplänen entsprechend  negativ in den Ergebnissen nieder. So beläuft sich das EBIT auf -52 Mio. USD, bereinigt um diese "Sondereffekte" bleibt ein EBIT vor Sondereffekten iHv. 161 Mio. USD oder 8,2 Prozent des Umsatzes stehen. Die sogenannten Sondereffekte belaufen sich auf 181 Mio USD an Abfindungsleistungen und 32 Mio. USD an Abschreibungen auf Vermögensgegenstände. Insgesamt werden in den drei genannten Ländern 2.710 Stellen eingespart.

Siemens:

Siemens hat in seiner Mobilitätssparte im zweiten Kalenderquartal 2017 (3. Quartal im Geschäftsjahr 2016/17) einen um 18 Prozent besseren Auftragseingang verzeichnen können. Hier war u.a. ein Großauftrag der DB Regio für die neue Mireo Plattform ausschlaggebend.

Die Umsatzerlöse haben sich ggü. dem Vergleichszeitraum von 1,795 Mrd. EUR auf 2,04 Mrd. EUR verbessert. Das EBIT hat sich aufgrund der höheren Umsätze auf  178 Mio. EUR - oder 8,7 Prozent der Umsatzerlöse - verbessert. Relativ gesehen ist das Ergebnis gegenüber dem Vergleichszeitraum um 0,1%-Punkte gefallen, da höhere "Personalrestrukturierungen" sich mit 30 Mio. EUR zu Buche geschlagen haben.

Alstom:

Alstom hat als - einziger betrachteter - reiner Zughersteller seine Orderzahlen ggü. dem Vorjahreszeitraum (i.e. zweites Kalenderquartal - hier erstes Quartal im Geschäftsjahr) de facto von 889 Mio. EUR auf 1,909 Mrd. EUR verdoppeln können. Dies gelang v.a. durch vermehrte Bestellungen aus Nordamerika, aber auch Projekte in Kanada, Vietnam, Senegal und Deutschland.

Die Umsatzerlöse sind auch dadurch von 1,75 Mrd. EUR auf 1,856 Mrd. EUR gestiegen.

Über EBIT-Margen im ersten Quartal wird in der Veröffentlichung kein Wort verloren. Die Zahlen des gesamten Vorjahres zeigen eine EBIT-Marge von 5,8 Prozent auf das Gesamtjahr, mit Plänen diese bis 2020 in Richtung 7 Prozent zu bewegen. Mangels näherer Informationen über die Kostenstruktur können wir keine Aussagen über den Realitätsbezug der Prognose machen.

 

Einigung am Dieselgipfel der Industrie und der deutschen Bundesregierung - Minimalkompromiss erzielt.  

Die deutschen Autohersteller haben zugesagt, insgesamt etwa fünf Millionen Dieselfahrzeuge mit Software-Updates nachzurüsten. Das teilte der Verband der Deutschen Automobilindustrie als Ergebnis des Dieselgipfels mit. Dezidierte bauliche Veränderungen wurden seitens der deutschen Automobilindustrie jedoch verneint.

Autos der Euronormen 5 und 6 sollen mittels Software-updates weniger Schadstoffe ausstoßen.

Der österreichische Bundesminister für Verkehr und Infrastruktur Jörg Leichtfried hat das Ergebnis des Gipfels bereits als "mager für KonsumentInnen und Umwelt" bezeichnet.

Auch in Deutschland wird zunehmend Kritik laut, wobei auch der deutsche Justizminister Heiko Maas die Software-updates nur als ersten Schritt sieht, und Fahrverbote nicht auschließt.

 

Österreich hat EU-weit die dritthöchste Dichte an Dieselfahrzeugen

Mit 311 Diesel-PKW pro 1.000 Einwohner liegt Österreich mit Luxemburg (431/1.000 EW) und Frankreich (338/1.000 EW) an dritter Stelle.

Bemerkenswert ist die Prävalenz von Dieselfahrzeugen im SUV- und Oberklassensegment von 72% bzw. 91% gegenüber 13% Anteil von Dieselantrieben bei Kleinwagen.

 

Zunahme des LKW-Verkehrs im ersten Halbjahr 2017

Die Analyse von Daten der ASFINAG durch den VCÖ ergab, dass der LKW-Verkehr auf Österreichs Autobahnen weiter zugenommen hat. Besonders stark fiel die Zunahme an Messstellen entlang der A12, A13, A22, A5, A2, S31 und S35 aus. Hier wurden teilweise zwischen drei und sechs Prozent Steigung der LKW-Zahlen im Jahresvergleich ermittelt. Als Ursachen wurden vom VCÖ der niedrige Dieselpreis aber auch der Ausbau der Autobahneninfrastruktur genannt.

 

Digitalisierung von Eisenbahnverkehrsunternehmen

DB Cargo beauftragt Siemens mit der Umrüstung von Lokomotiven der Typen 152 Eurosprinter ES64F und zweier Vectron Varianten zu "TechLOKs" der DB Cargo. Diese Lokomotiven beinhalten ein zustandsbasiertes und vorhersagendes Instandhaltungspaket, welches auf dem Internet of Things-Betriebssystem Mindsphere von Siemens basieren.

 

IMPRESSUM:

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