VÖWG Umwelt Spezial, 10/2018

Ich freue mich, das aktuelle Umwelt Spezial des Verbandes der öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG)  zu präsentieren. Darin finden sich Kurznachrichten aus den Bereichen Umwelt und Nachhaltigkeit.

Gemeinsam mit meinem Team, wünsche ich viel  Spaß bei der Lektüre!

Heidrun Maier-de Kruijff 
 


600 Meter gegen Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren.
Ein ambitioniertes Unterfangen zur Bekämpfung des Plastikmülls startet derzeit in eine sechs monatige Testphase. Der 24-jährige Niederländer Boyan Slat will mit seinem Projekt „The Ocean Cleanup“ die Ozeane von dem immensen Plastikmüll befreien. Seine erdachte schwimmende Vorrichtung ist eine von einem Schiff gezogene, 600 Meter lange Röhre, an der eine Art Vorhang aus dicht gewebtem Plastik drei Meter tief ins Wasser ragt. Wie Fangarme legen sich die beiden Enden des Kunststoffrohrs U-förmig um die Plastikteile und fangen diese auf, um sie später an Land zu recyceln. Geplant ist, dass das System bis zu 68 Tonnen Plastik pro Jahr aus dem Meer fischen wird. Nach der Generalprobe in der Bucht von San Francisco wird diese Anlage zum Pazifischen Müllwirbel zwischen Hawaii und Kalifornien aufbrechen. Dieser Great Pacific Garbage Patch besteht aus schätzungsweise 1,8 Milliarden Plastikteilen und ist in etwa 1,6 Millionen Quadratkilometer groß.


Neuer Fonds für gesunde Ozeane.
Die Weltbank hat am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 2018 in New York die Schaffung eines neuen Treuhandfonds (PROBLUE) angekündigt. Mit Hilfe dieses Fonds soll die Meeresverschmutzung bekämpft und nachhaltiges Wachstum der Küstenwirtschaft unterstützt werden. PROBLUE wird damit das UN Nachhaltigkeitsziel 14 (Sustainable Development Goal 14) – die Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Meere und Meeresressourcen für eine nachhaltige Entwicklung – unterstützen. Dieses Weltbankprojekt konzentriert sich auf vier Schlüsselthemen: Fischereimanagement und Aquakultur, die Bedrohung der Meeresgesundheit durch Meeresverschmutzung, die nachhaltige Entwicklung wichtiger Meeressektoren wie Seeverkehr und erneuerbare Offshore-Energie und die Unterstützung von Regierungen, ihre Meeres- und Küstenressourcen zu verwalten. Das Budget beträgt 3,7 Milliarden US-Dollar, weitere 1,5 Milliarden US-Dollar sind geplant.


Zu viele Plastikverpackungen in Supermärkten. Die Tageszeitung „Kurier“ untersuchte bei Testeinkäufen bei Billa, Merkur und Hofer, wie viele Lebensmittel in Plastikverpackungen verpackt sind. Dabei zeigte sich, dass nicht nur offene Waren wie Wurst und Käse, sondern auch frisches Obst und Gemüse trotz Schale zusätzlich in Kunststoff gewickelt werden. Der Kurier wollte von den Handelsketten wissen, warum so viele Lebensmittel in Plastik verpackt werden. Als Antwort gab Hofer an, durch den Einsatz dünnerer Folien Kunststoffverpackungen einzusparen und bietet seit dem 1. August 2018 auch biologisch abbaubare Obstsackerl an. Auch soll ab Herbst 2018 durch ein neues Laser-Verfahren die Kennzeichnung auf der Schale bei bestimmten Obst und Gemüseprodukten bei Billa, Merkur und Hofer angeboten werden. Dieses Laser-Verfahren ist sehr zu begrüßen. Alleine in Österreich fällt laut Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus jedes Jahr 900.000 Tonnen Plastikmüll an, davon stammt ein Drittel von Verpackungen. Um Kunststoffverpackungen weiter zu reduzieren, will die EU die Zielquote für das Recycling im Rahmen des sogenannten Kreislaufpakets bis 2025 auf 55 Prozent und bis 2035 auf 65 Prozent erhöhen.


2018 war wärmstes Sommerhalbjahr der Messgeschichte. Eine Auswertung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigt, dass das Sommerhalbjahr 2018 das Wärmste seit Messbeginn im Jahr 1767 in Österreich war. Die Temperaturen lagen um 2,6 Grad Celsius über dem Mittel und liegen deutlich über dem bisherigen wärmsten Sommerhalbjahr 2003 mit 1,5 Grad über dem Mittel. Zudem war das Sommerhalbjahr 2018 sehr trocken. In der österreichweiten Auswertung ist es mit 15 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel das trockenste Sommerhalbjahr seit 2003. Für diesen ungewöhnlichen Wetterverlauf gibt es laut ZAMG mehrere Gründe. So ist zum einen das Temperaturniveau durch den Klimawandel deutlich gestiegen. Zusätzlich bildeten sich im heurigen Frühling sehr stabile Hochdruckwetterlagen, durch diese vom Atlantik kommende Tiefdruckgebiete nur selten bis nach Mitteleuropa vordringen konnten.


Weltbank: Weltweites Müllaufkommen wird bis 2050 um 70 Prozent wachsen. Laut einer Studie der Weltbank werde das weltweit produzierte Müllaufkommen bis zum Jahr 2050 um ganze 70 Prozent steigen, sofern keine drastischen Maßnahmen dagegen unternommen werden. In dem Bericht „What a Waste 2.0“ ist von 2,01 Milliarden Tonnen Müll die Rede, der jedes Jahr weltweit produziert wird. Durch Zuwanderung in Städte und steigende Bevölkerungszahlen werde diese Menge noch auf 3,4 Milliarden Tonnen steigen. 16 Prozent der Weltbevölkerung – nämlich jene aus „hoch entwickelten Ländern“ – seien für mehr als ein Drittel des Mülls verantwortlich. Zudem werde sich die Müllproduktion in Südasien in den kommenden Jahren verdoppeln, in Afrika sogar verdreifachen. Als mögliches Mittel, mit dem diesem Problem entgegengesteuert werden soll, sieht die Weltbank den Ausbau von Recycling- und Müllmanagementsystemen. Dafür habe sie nach eigenen Angaben in den letzten 18 Jahren 4,7 Milliarden Dollar (4,03 Mrd. Euro) für über 340 Projekte bereit gestellt.


EAK: mehr als 100.000 Tonnen Elektroaltgeräten gesammelt. VertreterInnen der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) und der „ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände“ präsentierten auf einer Pressekonferenz am 26. September 2018 die aktuellen Daten aller gesammelter Elektrogeräten und Altbatterien in Österreich. So konnte im Jahr 2017 eine Gesamtmasse von über 116.400 Tonnen Elektroaltgeräte (EAG), das einer Sammelquote von 62,5 Prozent entspricht, erzielt werden. Dies sind rund 13 Kilogramm pro EinwohnerIn. Bei Altbatterien konnte die geforderte Sammelquote von 45 Prozent erneut erreicht werden, die Sammelmenge nahm aber leicht ab. Dies sei auf die immer längere Nutzungsdauer der Batterien zurückzuführen.


EU drängt auf Fortschritte bei Umwelt und Klima.
In der 73. UNO-Vollversammlung rief die Europäische Union zu weltweiten Schritten für Umweltschutz und gegen den Klimawandel auf. Erster Kommissions-Vizepräsident Timmermans wandte sich an Regierungen und IndustrievertreterInnen, von denen er Beiträge gegen Plastikmüll und zu einer kreislauforientierten Wirtschaft forderte. Um die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen, benötigt Europa laut Vladis Dombrovskis (EK-Vizepräsident für den Euro und sozialen Dialog) in den nächsten zehn Jahren Investitionen in der Höhe von ca. 180 Milliarden Euro pro Jahr. Ab 2021 solle ein Viertel des EU-Haushalts für Klimapolitik aufgebracht werden. Kommissar Neven Mimica sprach den 12 Millionen EinwohnerInnen der Pazifikregion eine Unterstützung von 10 Millionen Euro zu, da diese erheblich unter den Folgen des Klimawandels leiden, obwohl sie kaum dazu beitragen würden.


Smarte Mülltonne gibt Bescheid, wann es Zeit für die Abholung ist. Das Unternehmen „Saubermacher“ bringt Smarte Mülltonnen auf den Markt. Diese sind mit Sensoren ausgestattet, die eine Meldung senden, sobald sie entleert werden müssen. Die Daten werden dabei über das Narrowband-Netz von T-Mobile übertragen. Dadurch kann von dem bisher üblichen Abholrhythmus in festgelegten Intervallen abgegangen werden. Oft seien die Mülltonnen noch nicht voll und es wäre besser gewesen, einige Tage mit der Abholung zu warten. Durch die Sensoren kann nunmehr aber von vorneherein der „perfekte“ Abholtermin abgewartet werden. Auf diese Weise sollen die Müllentsorgungsunternehmen durch erhöhte Effizienz entlastet werden, was durch den so verringerten Verkehr auch der Umwelt zugutekommt.


Das Wasser kommt im Plastik. Die heurigen sommerlichen Rekordtemperaturen sorgten für eine Erhöhung von Plastik-Importen. Mineralwasser aus unterschiedlichsten Ländern erhöhten die Plastikmüllberge in den heimischen Abfällen und Sammelstationen. Es muss in Zukunft das Bewusstsein geschärft werden, dass der Konsum von Wasser aus verschiedensten Ländern auch mit Plastik-Importen verbunden ist und dass vermehrt regionales Wasser konsumiert werden soll.


Wie geht Nachhaltigkeit? 2015 verabschiedeten die UNO-Mitgliedstaaten im Rahmen der Agenda 2030 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) mit 169 Unterzielen. Dieses Rahmenwerk ist ein gemeinsamer Fahrplan in eine nachhaltige Zukunft für alle Menschen. Um diese Nachhaltigkeitsziele sichtbarer zu machen, veranstalteten die Organisatoren Social City und die Impact Finance Organization (imfino) gemeinsam mit UNIDO (United Nations Industiral Development Organization), der Wiener Bildungsakademie, dem Dachverband der Wiener Sozialeinrichtungen, sowie der Ersten Bank und der russischen Öl- und Gasgesellschaft LUKOIL die Veranstaltungsreihe „Solution Talks“ in Wien. Ziel dieser Veranstaltungsreihe ist die Verabschiedung einer „Wiener Deklaration“, in der sämtliche StakeholderInnen sich ausdrücklich zur Umsetzung und Ausgestaltung der SDGs in konkreten Projekten verpflichten.


OMV zieht sich aus der Ölheizungs-Förderung zurück. Der Mineralölkonzern OMV wird sich aus der mitfinanzierten Initiative „Heizen mit Öl“ (HMÖ) bis Ende 2019 zurückziehen und den laufenden Vertrag mit HMÖ nicht verlängern. Umweltorganisationen wie WWF Österreich und Global 2000 werteten den Rückzug als wichtigen Schritt in Richtung Klimaschutz und forderten die Politik auf, weitere Maßnahmen zu setzen, um schneller als geplant aus fossilen Energien auszusteigen. Die „Heizen mit Öl GmbH“ versteht sich als Förderstelle für moderne Ölheizungen. Von 2012 bis 2016 wurden über 61 Millionen Euro für Förderungen ausgegeben. 2017 erreichte die Zahl der Anträge auf Einbau einer neuen Ölheizung mit 5.763 den höchsten Wert seit 2011.

 

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