VÖWG Verkehr Spezial, No. 03 - 2020

Ich freue mich, das aktuelle Verkehr Spezial des Verbandes der öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG) zu präsentieren. Darin finden sich Kurznachrichten mit Relevanz für den Verkehrssektor.

Gemeinsam mit meinem Team wünsche ich eine angenehme Lektüre!

Heidrun Maier-de Kruijff

Keine Lösung für Transit-Problematik am Brenner in Sicht

Die Brennerautobahn, die wichtigste Nord-Süd-Transitstrecke Europas, kämpft zusehends mit Verkehrsüberlastungen und schlechter Luftqualität. Um gemeinsam Lösungen für diese Transitproblematik zu finden, reiste  die neue Verkehrskommissarin Adina-Iona Vălean nach Innsbruck, um dort mit Leonore Gewessler, Günther Platter und Ingrid Felipe, Gespräche im Hinblick auf mögliche Maßnahmen zur Verkehrsreduktion auf der überlasteten Brenner-Route zu führen. Diese vielen ernüchtern aus. Vălean erteilte den Tiroler Forderungen nach einer Korridormaut eine deutliche Abfuhr. Sie werde über die überlastete Brennerroute erst sprechen, wenn Tirol die Verschärfungen beim sektoralen Fahrverbot zurücknehme. "Es war für mich enttäuschend, denn eigentlich war die Absicht der Kommissarin nur, dass wir von unseren Fahrverboten und Notmaßnahmen Abstand nehmen oder Aufweichungen vornehmen sollen. Das kann es nicht sein", so Platter. Vălean sieht die Thematik als ein europäisches Problem an, weshalb sie "unilaterale Lösungen", wie die Notfallmaßnahmen Tirols ablehne. Sowohl Verkehrsministerin Leonore Gewessler als auch Bundeskanzler Sebastian Kurz stellen sich demonstrativ hinter Platter und die Tiroler Forderungen.

Einigung zum ersten Mobilitäspaket

Im Zuge der zweijährigen Verhandlungen zum ersten Mobilitätspaket wurde nun endlich eine Einigung zu den wichtigsten Gesetzesvorhaben zu Lenk- und Ruhezeiten, Entsendung im Verkehrsbereich und Smart Tacho erzielt. Die überarbeiteten Regeln  wurde vom zuständigen EU-Parlamentsausschuss abgesegnet. Der Kompromiss muss noch von EU-Rat und Parlamentsplenum final angenommen werden.Voraussichtlich wird er im April 2020 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und 18 Monate danach in Kraft treten.

Innovationsschub für den Schienengüterverkehr dringend notwendig

Im Rahmen des 13. „Forum Schienengüterverkehr“ forderte der VDV einen Innovationsschub für den Güterverkehr auf der Schiene. „Der Schienengüterverkehr muss wirtschaftlicher, schneller und zuverlässiger werden, wenn die Branche das angedachte Wachstum um 25 Prozent bis 2030 erreichen soll. "Dafür müssen wir vor allem die zahlreichen Potenziale im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung bei den Fahrzeugen, Wagen und in der Infrastruktur nutzen.“, so VDV-Vizepräsident Joachim Berends. Das Ziel kann nur erreicht werden, wenn die Modernisierungsmaßnahmen, welche im Masterplan Schienengüterverkehr vereinbart wurden, umgesetzt werden. Zudem wurden Technologien für Ressourcen- und Kapazitätsmanagement, Logistik und Prozessqualität im konkreten Kontext vorgestellt.

Grüner Wasserstoff im Verkehr

Neben den nachgeschärften Klimazielen für das Jahr 2030, plant die EU bis ins Jahr 2050 treibhausgasneutral sein. Um die Reduktion von Treibhausgasen im Verkehrssektor weiter vornanzutreiben, wäre unter anderem der Einsatz von grünem Wasserstoff eine mögliche Maßnahme. Von grünem Wasserstoff spricht man dann, wenn Wasserstoff nicht wie gewöhnlich aus anderen Energiequellen (derzeit aus Erdgas und Kohle) erzeugt wird, sondern aus erneuerbaren Primärenergiequellen hergestellt wird. Das zukünftige Verkehrssystem wird wesentlich aus Strom von erneuerbaren Quellen basieren. Derzeit sind erst wenige Pilotanwendungen mit ausschließlich grünen wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen in Betrieb.

Wiener Linien planen erste Fahrten mit Wasserstoffbus

Die Vorbereitungen für die erstmalige Inbetriebnahme mit einem Wasserstoffbus laufen bei den Wiener Linien auf Hochtouren. Geplante Teststrecke ist die Linie 39A zwischen Heiligenstadt und Sievering. Ab 2023 oder 2024 soll diese Buslinie ausnahmslos mit Wasserstoffbussen betrieben werden. Auch die ÖBB Postbus GmbH testete bereits im Oktober 2019 wasserstoffbetriebenen Busse. Die Teststrecke befand zwischen dem Flughafen Wien Schwechat und Wien. Die Tests seien sehr gut verlaufen. Die Aufnahme eines Wasserstoffbusses in den Regelbetrieb sei derzeit aber nicht geplant. Um dies zu ermöglichen, müsste ein weiterer Faktor berücksichtigt werden: Derzeit stehen noch nicht ausreichend viele Tankstellen  für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge zur Verfügung.

Salzburg AG zukünftig nicht mehr für „Öffis“ zuständig

Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer kündigte an, dass Stadt und Land den öffentlichen Verkehr in Zukunft in einer eigenen Gesellschaft betreiben werden. Die Verkkehrssparte soll vollständig aus der Salzburg AG herausgelöst werden. Bisher hat das Land Salzburg bei jeder Linienbestellung noch rund sechs Prozent Gewinnmarge als Aufschlag für die Salzburg AG zu zahlen. Dies werde man sich in Zukunft sparen. Weiteres soll die Pinzgaubahn von Wald bis nach Krimml ausgebaut und elektrifiziert werden. Bis zur Übernahme von Stadt und Land sind noch einige rechtliche und vor allem finanzielle Fragen zu klären. Ziel ist es, die Übernahme der Verkehrssparte von der Salzburg AG bis 2022 abzuschließen.

Briten wollen Bahn wieder verstaatlichen

Aufgrund der negativen Auswirkungen der Bahnprivatisierung in den 1990ern, plant Großbritannien nun die teilweise Wiederverstaatlichung der Bahn. Mit 1. März wurde Arriva, einer Tochter der Deutschen Bahn (DB), die Lizenz zum Fahren entzogen. Die Northern Rail zwischen Manchester und Leeds wird unter staatliche Kontrolle gestellt.  Private Betreiber gerieten zuletzt zunehmend aufgrund häufiger Zugausfälle, Streiks, teuren Tickets und regelmäßigen Verspätungen in Kritik.  Zudem plant die britische Regierung die Wiedereröffnung von Bahnstrecken, welche durch die Beeching-Reform 1960 stillgelegt wurden.

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