Ich freue mich, das aktuelle Energie-Spezial des Verbands kommunaler Unternehmen Österreichs (VKÖ) zu präsentieren. Darin finden sich Kurznachrichten aus dem Bereich der Energiewirtschaft.

Gemeinsam mit meinem Team wünsche ich eine angenehme Lektüre!

Heidrun Maier-de Kruijff

Globale Energietrends. Die Energietrends bewegen sich zunehmend in Richtung der erneuerbare Energien. Das UN-Umweltprogramm, das Frankfurt School-UNEP Collaborating Centre und Bloomberg New Energy Finance veröffentlichten im April 2018 den Global Trends in Renewable Energy Investment 2018 Report. Im Jahr 2017 wurden aufgrund sinkender Kosten für Solar- und Windenergie 279,8 Mrd. Dollar in erneuerbare Energien investiert. Die Vorreiterrolle dabei übernimmt China, auf das mit einem Umfang von 126 Mrd. Dollar fast die Hälfte der weltweiten Investitionen entfallen – das entspricht einer Steigerung von 31 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Besonders Solarenergie erfuhr einen Aufschwung: Weltweit wurden Solarkapazitäten im Ausmaß von 98 Gigawatt geschaffen – mehr als in jeder anderen Energieform. Die EU liegt mit 40,9 Mrd. Dollar Neuinvestitionen bei erneuerbaren Energien an zweiter Stelle hinter China.

Energiepreisindex steigt. Der Energiepreisindex (EPI) stieg im Juni 2018 um 7,5 % im Vergleich zum Juni 2017. Gegenüber dem Vormonat Mai zahlten Österreichs Haushalte nun um 1,1 % mehr für Energie. Hauptfaktor für den Anstieg ist Heizöl, das im Jahresvergleich ein Plus von 26,8 % aufweist und um 1,1 % teurer ist als im Mai dieses Jahres und somit den Höchstwert seit November 2014 erreicht hat. Auch Treibstoffe steigen weiter: Der Preis für Superbenzin stieg um 2,3 % im Monatsvergleich und legte im Vergleich zu Juni 2017 um fast 12 % zu. Diesel erfuhr eine Teuerung von 2,5 % gegenüber Mai und gar 16 % gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres. Brennholz verbuchte ein Plus von 0,6 % im Vergleich zum Vormonat bzw von 8,1 % im Vergleich zu Juni 2017. Holzpellets wurden gegenüber dem Mai um 0,5 % und gegenüber dem Vorjahr um 3,3 % teurer. Fernwärme, Strom und Gas haben sich im Vergleich zum Vormonat nicht verändert. Im Jahresvergleich ist Fernwärme ist um 1,6 % teurer, hingegen sind Strom um 0,4 % bzw Gas um 5,9 % billiger als vor einem Jahr.

EU-Kommission verklagt Deutschland. Weil Deutschland Wettbewerbsbestimmungen an den Energiemärkten nur unzureichend umgesetzt habe, erhob die Kommission Klage vor dem EuGH. Die Vorwürfe bestehen einerseits darin, dass die Bundesregierung der Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde zu wenig Ermessensspielraum lasse, indem detaillierte Vorgaben in Verordnungen gemacht würden. Ferner lägen Mängel bei der Trennung von Energieerzeugung und Stromnetzen vor.

Energieimporte steigen. Am 24. Juli veröffentlichte die Österreichische Energieagentur die Jahresstatistik bezüglich Energieimporten für das Jahr 2017. Demnach exportierte Österreich Energie im Ausmaß von 2,8 Mrd. Euro und kaufte mineralische Brennstoffe im Wert von 10,7 Mrd. Euro zu, wodurch die Nettoenergieimporte 7,9 Mrd. Euro betragen. Diese erhöhten sich nun erstmals wieder, nachdem sie seit 2012 jährlich gesunken waren. 2016 beliefen sich die Nettoimporte auf noch 6,7 Mrd. Euro. Laut der Energieagentur sei dafür aber nicht die importierte Menge, die nur um 0,6% gegenüber dem Vorjahr stieg, ausschlaggebend, sondern vor allem die Preiserhöhung. Diese liegt etwa für Brent-Nordseeöl bei 24% gegenüber 2016. Von der Gesamtmenge der Importe idHv. 10,7 Mrd. Euro entfielen 6,2 Mrd. auf Erdöl und Erdölprodukte sowie weitere 2,6 Mrd. auf Erdgasimporte. In einer Netto-Betrachtung, nach Berücksichtigung der Einnahmen aus Exporten, machen allein diese beiden Energieträger laut Peter Traupmann (Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur) 88 % aus. Um die Energieimporte wieder zu senken sei es ein wichtiger Schritt die Heizsysteme zu modernisieren.

Welterschöpfungstag. Das ist jener Tag, an dem die sich erneuernden Ressourcen eines Jahres erschöpft sind und dieser fällt heuer auf den 1. August. Zur Berechnung des sogenannten „Earth Overshoot Day“ vergleicht das Global Footprint Network die menschliche Inanspruchnahme des Planeten mit dessen Fähigkeit zur Reproduktion von Rohstoffen und zum Abbau von Schadstoffen. In Österreich liegt der Erschöpfungstag sogar noch früher, nämlich am 13. April. Schlusslicht ist Katar, wo der Erschöpfungstag bereits Mitte Februar erreicht ist. Vietnam, Marokko und Kirgisien kommen mit ihren eigenen Ressourcen hingegen bis Mitte Dezember aus.

EU-Kommission verklagt Ungarn. Neben Deutschland (siehe oben) erhob die Kommission nun auch gegen Ungarn Klage vor dem EuGH im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens. Dem Mitgliedstaat wurde im Februar 2015 ein Aufforderungsschreiben übermittelt, in dem es insbesondere um die Festlegung von Netztarifen ging. Aufgrund des dritten Energiepakets müssen Tarife für Elektrizitäts- und Erdgasnetze von nationalen Regulierungsbehörden festgelegt werden, um wettbewerbswidriges Verhalten zu verhindern. Die Tarife Ungarns seien laut Kommission nicht, wie vorgeschrieben, kostendeckend. Ferner habe Ungarn durch Novellen im Energierecht das Recht der Marktteilnehmer auf eine gerichtliche Prüfung der Entscheidung der nationalen Regulierungsbehörde beschnitten. Nachdem Ungarn auch zwei mit Gründen versehene Stellungnahmen nicht nachgekommen ist, erhob die Kommission nun Klage vor dem EuGH.

Leistungsfähigere Akkus. In absehbarer Zukunft könnte die Reichweite für Elektroautos mehr als 1000 Kilometer betragen. Eine Kapazitätssteigerung von 300 bis zu 500 Prozent sei nach norwegischen ForscherInnen möglich, die durch die Verwendung von Silizium statt des bisher eingesetzten Graphit erreicht werden soll. Das Problem, dass Silizium die Kapazität schneller abbaut als Graphit, sei durch das Silizium-Gemisch der NorwegerInnen nun erstmals gelöst. Gelingt es, diesen Durchbruch auch praktisch einzusetzen, würde das eine deutliche Verlängerung der Lebensdauer von Geräten mit Akkus (wie etwa Smartphones, Tablets, E-Autos, etc.) bedeuten.

Atom-Stresstests. Vom 12.-16. März 2018 unterzog sich Belarus einer freiwilligen Peer-Review Prüfung für ein Kernkraftwerk. Dabei erfolgt die Prüfung durch die Gruppe der europäischen Aufsichtsbehörden für die nukleare Sicherheit (ENSREG). Der dementsprechende Bericht wurde am 3. Juli veröffentlicht. Darin werden Vorgehensweisen insbesondere für Erdbeben, Überschwemmungen, Stromausfälle und schwere Unfälle erörtert. Ferner fordert die Kommission die belarussischen Behörden zur Ausarbeitung eines nationalen Aktionsplans auf. Dieser soll die zeitgerechte Umsetzung aller Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit gewährleisten. 2011 haben mehrere Drittstaaten – Armenien, Belarus, Kroatien, Russland, die Schweiz, die Türkei und die Ukraine – in Kooperation mit der EU erklärt, dass sie umfassende Risiko- und Sicherheitsprüfungen („Stresstests“) vornehmen würden.

Klage gegen britisches Atomkraftwerk. Großbritannien gewährte dem Kernkraftwerk Hinkley Point C Beihilfen in Form einer Preisgarantie für die zu erzeugende Energie, einer staatliche Kreditgarantie und letztlich durch die Zusage, dass im Fall einer vorzeitigen Einstellung des Kraftwerkes aus politischen Gründen die dadurch entstandenen Verluste getragen würden. Daraufhin erhob Österreich 2015 Nichtigkeitsklage vor dem Gericht der EU (EuG). Nach Ansicht des EuG lag allerdings ein „gemeinsames Interesse“ im Hinblick auf die Europäische Atomgemeinschaft vor, das staatliche Beihilfen rechtfertigen könne. Österreich kann dagegen noch ein Rechtsmittel an den EuGH ergreifen.

Energieeffizienz. Aufgrund nicht hinreichender Umsetzung bzw. Durchführung der Energieeffizienzrichtlinie hat sich die Kommission Mitte Juli mit einem Aufforderungsschreiben an die Staaten Irland, Malta, Niederlande, Slowenien, Schweden Zypern und Großbritannien gerichtet. Durch die Energieeffizienz-RL (2012/27/EU) soll das Effizienzziel von 20 % bis 2020 erreicht werden, indem gemeinsame Maßnahmen angeregt werden. Diese sieben Mitgliedstaaten können binnen zwei Monaten ein Antwortschreiben übermitteln. Widrigenfalls kann die Kommission eine mit Gründen versehene Stellungnahme abgeben und als ultima ratio besteht die Möglichkeit sich an den EuGH zu wenden.

 

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